Gesundheitsförderung bei älteren Menschen

Projekt GFuP im Alter_Netzwerk Graubünden 2020-2022

.
Seit 2013 unterstützt das Gesundheitsamt Graubünden die Gemeinden bei Mitwirkungsprozessen zur Gesundheitsförderung und Prävention. Im Rahmen des Projekts «GFuP im Alter_Netzwerk GR 2020 - 2022» wurden in Kooperation mit der Fachhochschule Graubünden und mit Radix bisherige Erfahrungen und Erkenntnisse aus den Mitwirkungsprozessen ausgewertet und für die Multiplikation nutzbar gemacht.
29.08.2023, 12:22

Das Projekt in Kürze

Seit 2013 berät und begleitet das Gesundheitsamt Graubünden (Fachstelle Gesundheitsförderung) Gemeinden bei Mitwirkungsprozessen zu Gesundheitsförderung und Prävention (GFuP) mit der Zielgruppe ältere Menschen. In ersten Gemeinden wurden die Mitwirkungsprojekte vom Gesundheitsamt GR in Pionierarbeit konzipiert und durchgeführt. Das Projekt «GFuP im Alter_Netzwerk GR» wurde von 2020 bis 2022 im Rahmen der Projektförderung des Themenschwerpunkts Alter durch Gesundheitsförderung Schweiz unterstützt. Dabei stand die Wissenssicherung der bisherigeren Erkenntnisse zu stattgefundenen Mitwirkungsprozessen «GFuP im Alter» im Zentrum. Die Aufarbeitung des Angebots «Mitwirkungsprojekte mit älteren Menschen» sollte dazu beitragen, das Angebot gut und effizient bei möglichst vielen Gemeinden in Graubünden zu multiplizieren.

Im Projekt wurden folgende Punkte beleuchtet:

  • Lösungen finden, um das Angebot nachhaltig in die bestehenden kantonalen Strukturen einzubinden; Konzeption eines Multiplikations-Modells für Gemeinden unter Beachtung gemeindespezifischer Besonderheiten (z.B. Grösse der Gemeinde, finanzielle Möglichkeiten, Altersstruktur, etc.);
  • Klärung von Rollen und Strukturen im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention auf kommunaler, regionaler und kantonaler Ebene;
  • Stärkung der Position der kommunalen Beauftragten für Gesundheitsförderung und Prävention in der Gemeindeexekutive;
  • Analyse von Digitalisierungsstrategien und Entwicklung eines Controlling-Konzepts zur Steuerung und Überwachung dieses Netzwerks im Kanton GR.

Die Projektevaluation erfolgte als Selbstevaluation.
 

Der «Bündner-Weg» auf die Gemeinden zuzugehen

Die Fachstelle GF ging für das Projekt eine neue Kooperation ein. Die Projektleitung wurde dem Zentrum für Verwaltungsmanagement (ZVM) der Fachhochschule Graubünden übertragen. Das ZVM ist u. a. auf Fragen der Gemeindeführung spezialisiert. Durch die Zusammenarbeit wurde klar, dass ein wichtiger Schlüssel zur Stärkung der Gesundheitsförderung in den Gemeinden das Verständnis über die Führungsprozesse auf Gemeindeebene ist. In Graubünden ist die Gemeindeexekutive für die Koordination und Steuerung von GF+P-Massnahmen verantwortlich. Sie überträgt diese Aufgabe an eines ihrer Mitglieder, den oder die Beauftragte(n) für Gesundheitsförderung und Prävention (BGP). Die Umsetzung konkreter Massnahmen (Projekte) erfolgt durch lokal engagierte Personen mit der betroffenen Ziel­gruppe sowie mit Vereinen oder weiteren NGO's. In der Arbeit mit den Gemeinden haben wir festgestellt, dass die Fokussierung auf die Zielgruppe der älteren Menschen nicht ausreichend ist. Die Gemeinde ist für die Gesamtbevölkerung verantwortlich und deshalb macht es Sinn, strategisch die Bevölkerung über alle Lebensphase auf dem Radar zu haben, wenn es um Gesundheitsförderung geht.

Als Arbeitshilfe visualisierten wir den Zusammenhang von Aufgaben und Leistungen der GF mit den Gemeindeführungsprozessen in einem «Bündner Modell GF und P auf Gemeindeebene» (vergl. Abb. 1).

.
Abb. 1: Arbeitshilfe «Bündner Modell GF+P auf Gemeindeebene» (2022)

 

Unerwartete Schwierigkeiten

Durch die Beleuchtung der Gemeindeführungsprozesse im Zusammenhang mit der Gesundheitsförderung in den Gemeinden rückte die Stärkung der Rolle der BGP's ins Zentrum des Projekts. Der Fokus auf die Zielgruppe der älteren Menschen und das Angebot «Mitwirkungsprozesse» wurde zeitweise verlassen. In diesem Sinne weist das Projekt nicht nur Ergebnisse vor, die sich spezifisch auf die älteren Menschen beziehen, sondern auf alle Zielgruppen der Gemeindebevölkerung (Lebensphasenmodell).
 

Ergebnisse

Nach den drei Jahren liegen folgende Ergebnisse für die Stärkung der Gesundheitsförderung in Gemeinden vor:

  • der Leitfaden Gesundheitsförderung und Prävention für BGP's;
  • ein Schulungsmodul für die Einführung der BGP's in ihre Aufgabe;
  • ein online Gemeinde-Check (nicht publiziert, da nicht evaluiert);
  • ein Konzept für ein Controlling-Tool für den Kanton.

Die Produkte dokumentieren den Projektoutput und finden in der praktischen Arbeit der Fachstelle Gesundheitsförderung und der Gemeinden rege Anwendung.

Das Mitwirkungsprojekt für ältere Menschen wurde im Austausch mit Radix unter dem Namen «Lokal vernetzt älter werden» konsolidiert. Alle Instrumente für die Projektleitungen und die Prozessbegleitungen stehen zur Multiplikation zur Verfügung (siehe Linksammlung).
  

Was können andere KAPs vom Bündner Modell lernen?     

Die Gesundheitsförderung ist ein anspruchsvolles und komplexes Konzept. Auf der Gemeindeebene müssen der ganzheitliche Ansatz und die verschiedenen Themenschwerpunkte in konkrete Umsetzungsprojekte für und mit der Zielgruppe heruntergebrochen werden. Dies ist anspruchsvoll. Insbesondere kleine und Kleinst-Gemeinden können mit der Aufgabenstellung schnell überfordert sein.

Basierend auf den Erkenntnissen des Projekts fokussieren wir unsere Arbeit heute auf zwei Ebenen:

  • Einerseits gilt es, die Verantwortlichen für Gesundheitsförderung in den Gemeinden (BGP, siehe braunes Feld in Abbildung 1) für ihre anspruchsvolle Arbeit zu befähigen. Ihnen obliegt die Führung des Fachbereichs Gesundheitsförderung und Prävention. Der im Projekt erarbeitete Leitfaden dient als Hilfsmittel für die Schulung und Beratung von Gemeinden (siehe Links zu weiterführenden Informationen). So wird in einer Gemeinde eine gute Grundlage geschaffen, auf der sie Projekte entwickeln und umsetzen kann.
  • Andererseits achten wir bei der operativen Umsetzung von kommunalen Projekten, wie «Lokal vernetzt älter werden», welche im Rahmen des KAP gefördert werden, darauf, dass die Projektleitung von der Gemeinde gestellt wird (siehe grünes Feld in Abbildung 1). Damit die Projektleitung erfolgreich sein kann, stellt die kantonale Fachstelle Gesundheitsförderung (siehe violettes Feld in Abbildung 1) eine fachliche Beratung in Form einer Prozessbegleitung zur Verfügung.

Die klare Rollenaufteilung zwischen strategischer und operativer Ebene in der Gemeinde stärkt die Gesundheitsförderung in den Gemeinden.


Autorin und Kontaktangaben der Ansprechperson

Denise Rudin
Abteilungsleiterin Gesundheitsamt Graubünden, Fachstelle Gesundheitsförderung
Hofgraben 5, CH-7001 Chur
+41 81 257 64 02
Denise.Rudin@san.gr.ch
bischfit.ch I gesundheitsamt.gr.ch