Weiterbildung wie auf dem Kreuzfahrtschiff

Christian Hunziker
CEO des Haustechnik-Unternehmens Hunziker Partner AG und Präsident Öbu

Etwas Nützliches für Gesellschaft und Umwelt tun und sich dabei auch noch persönlich weiterentwickeln: Das wünscht sich wohl jeder Mensch von seinem Beruf. An die Sanitärbranche denken dabei wohl die wenigsten. Zu Unrecht allerdings. Haustechnik ist eine Schlüsseltechnologie bei der Umsetzung der Klimaziele, und sie ist getrieben von Innovationen.

Auf dem Tisch liegt der Nachhaltigkeitsbericht der Hunziker Partner AG. Die Firma ist Mitglied des „United Nations Global Compact“. Dieser Pakt zwischen Unternehmen und der UNO hat zum Ziel, die Globalisierung ökologischer und sozialer zu gestalten.

Seit 1992 hat sich die Haustechnik- Firma der Nachhaltigkeit verschrieben. Christian Hunziker erinnert sich: „Damals ging ein Bild um die Welt: Ein Polizist in Tokyo regelt mit aufgesetzter Gasmaske den Verkehr. Gleichzeitig konnte man lesen, dass die Fische in der Bucht von Tokyo voller Quecksilber waren. Ich dachte: das kann doch nicht unsere Zukunft sein!“

Vierzig Jahre später ist zwar Nachhaltigkeit in aller Munde, aber grundsätzlich hat sich wenig verändert: „Nehmen, brauchen, auf die Deponie werfen. Nach diesem Prinzip funktionierte damals die Wirtschaft. Und wie ist es heute? Wir schicken die alten Handys nach China, wo sie ausgeweidet werden. Selber die Rohstoffe wieder herausholen, das tun wir nicht. Das Denken in Kreisläufen ist immer noch unterentwickelt“.

Nein, die Fortschritte beim Umweltschutz genügen dem Öbu-Präsidenten nicht. Alles viel zu träge und zu langsam. Das Thema Ökologie wischt er erst mal vom Tisch. „Mich hat an der Nachhaltigkeit immer auch der soziale Aspekt interessiert. Das geht bis hin zum Thema sozialer Frieden. Wenn zwei Prozent der Bevölkerung 98 Prozent des Vermögens besitzen, ist das sicher nicht gut für den sozialen Zusammenhalt.“

Nachhaltigkeitsziele können allerdings nicht von aussen verordnet, sondern sie müssen nach und nach in den Betrieben entwickelt werden: „Es braucht gute Teams und es braucht eine gute Lernkultur. Das war mir von Anfang an klar.“

Auf einer Kreuzfahrt hat sich Christian Hunziker die Inspiration für das „Permanente Instruktionsprogramm“ geholt, das in seiner Firma seit mehr als zwanzig Jahren angewendet wird. „Beim Betrieb eines Kreuzfahrtschiffes gibt es ein Problem: Von hundert Crewmitgliedern werden jedes Jahr sechzig bis siebzig ausgewechselt. Wie erreicht man, dass die Neuen vom ersten Tag an ihre Aufgabe beherrschen?“

Auf dem Schiff beobachtete er, wie sich die Mitarbeitenden täglich gegenseitig schulen: „Sie benützen Kärtchen, auf denen für jede Arbeit die Handgriffe aufgeführt sind. In einem kurzen, prägnanten Merksatz sind die Instruktionen zusammengefasst. Am nächsten Tag wird der Merksatz wiederholt, und nach derselben Methode kommen neue Instruktionen hinzu. So geben die erfahrenen Mitarbeiter ihr Wissen an die Neuen weiter. Das Ganze nimmt nicht mehr als zwei Minuten täglich in Anspruch.“

Christian Hunziker übertrug die Methode, die er auf dem Schiff beobachtet hatte, auf das eigene Unternehmen. Seit nunmehr zwanzig Jahren bilden in der Firma Hunziker Mitarbeitende andere Mitarbeitende aus. Zwei Mal im Monat trifft sich die Belegschaft am späten Freitag  zur gegenseitigen Weiterbildung:

„Für viele bedeutet es eine grosse Herausforderung, vor der ganzen Belegschaft zu sprechen. Ich erinnere mich an einen Monteur, der vor seiner ersten Präsentation schlaflose Nächte hatte. Heute hält er mit ein paar Notizen auf einem Blatt freie Vorträge. Das zeigt, dass solche Veranstaltungen nicht nur der beruflichen Weiterbildung dienen, sondern auch die persönliche Entwicklung fördern“.

Auch das Unternehmen entwickelt sich dadurch weiter. Gute Ideen können sich schneller durchsetzen. “Einmal führten wir einen Öko-Fahrkurs durch. Als Folge davon wurden alle überflüssigen Dachträger abmontiert, Schneeketten aus dem Kofferraum entfernt und die Pneus der Fahrzeuge aufgepumpt. Resultat: Auf einen Schlag brauchten wir drei Prozent weniger Benzin.“

„Mensch – Technik – Ressourcen“, nach diesem Raster sind die Weiterbildungen eingeteilt. Zur Sprache kommen dabei auch Themen, die über den Berufsalltag hinausweisen. So wurden einmal ein Muslim, ein Jude und ein reformierter Pfarrer eingeladen, um über Religion und Glauben zu diskutieren.

Meist aber werden praktische Fragen erörtert: ein neues Schweissverfahren, eine besondere Montagetechnik, neue Normen und Messgeräte usw. Und wie auf dem Kreuzfahrtschiff bestehen diese Weiterbildungen aus einem theoretischen und einem praktischen Teil, bei dem eine Aufgabe in einer Gruppe gelöst werden muss. So tragen die Weiterbildungen auch zur Teambildung bei.

Leider hat die Branche ein Imageproblem. Sanitärmonteur ist nicht gerade ein Traumberuf bei Jugendlichen, die Arbeit gilt als schmutzig. Drei bis fünf Lehrstellen hat die Firma pro Jahr anzubieten. Gross ist der Ansturm auf dieses Angebot nicht.

„Pro Jahr melden sich vielleicht zwanzig Interessierte. Lächerlich wenige.“ Dabei spielt die Haustechnik eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung ehrgeiziger Ziele wie der 2000-Watt-Gesellschaft.

„Diese Zielsetzung müsste eigentlich unsere Branche aufwecken. Wenn ich die Gebäudesanierungen und künftigen Neubauten hochrechne bis ins Jahr 2050, dann komme ich auf ein Vier- bis Sechsfaches des gegenwärtigen Bauvolumens. Das ist ein Riesenbusiness, aber darauf müssen wir uns vorbereiten mit verstärkter Ausbildung.“

Gesellschaftliche Umbrüche und wirtschaftliche Entwicklungen befördern Innovationen, davon ist Christian Hunziker überzeugt. Und Innovationen sind dringend nötig, sollen die Klimaziele erreicht werden.

„Die Wirtschaft hat von sich aus eine Innovationskraft. In diesem Punkt denke ich wie ein Liberaler. Aber man muss der Wirtschaft sagen, dass sein Arbeitstag nicht länger als acht Stunden dauert und dass die Arbeit anständig bezahlt werden muss.

Viele Unternehmen wollen zwar gute Leute, aber dies möglichst billig. Das will ich nicht. Ich will gute Leute, und ich will gute Löhne bezahlen. So werden aus guten Leuten die besten Leute.“

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