Try and error

Die Gentherapie macht grosse Fortschritte. Forschern ist es gelungen, Gendefekte bei Embryonen zu reparieren. Ein Traum scheint greifbar nahe: Dank Gentherapie können «Fehler der Natur» korrigiert werden.

Zweifellos werden Menschen dank solcher Korrekturen ein besseres Leben führen können. Die Möglichkeit allerdings, die «Fehler der Natur» zu korrigieren, schafft wiederum neue mögliche Fehlerquellen. Kann sein, dass technisch etwas schiefläuft und dass beim Korrigieren eines Defekts ein anderer Defekt verursacht wird. Für solche Probleme hat man die Forschung, die immer bessere und sicherere Techniken entwickelt. Das nennt man Fortschritt.

Schwieriger ist es allerdings auf gesellschaftlicher Ebene. Die neue Technologie kann missbraucht werden: zum Beispiel zur Normierung von Menschen oder im Extremfall sogar zur Heranzüchtung von «Übermenschen» und «Untermenschen». Befürchtungen, die nicht ganz unberechtigt sind, wenn man in die menschliche Geschichte schaut.

Die «Natur» kümmert das nicht. Sie hat kein Fehlerbewusstsein, sondern verfährt ungerührt nach dem Prinzip von try and error. So hat sie auch den Menschen geschaffen: Als ein Wesen, das die Natur verbessern will – und sie dabei auch verschlimmbessern kann.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.