Teufel und Beelzebub

Autohersteller haben bei der Messung von Abgaswerten getrickst. Empört wirft man ihnen Betrug vor – zu Recht! Aber der sogenannte Diesel-Skandal ist bloss Teil eines allgemeinen Selbstbetrugs, für den nicht nur die Autohersteller, sondern auch die Politik und die Konsumenten verantwortlich sind.

Weil Dieselfahrzeuge auf langen Strecken weniger Treibstoff verbrauchen, wurden sie als umweltfreundliche Alternative zum Benziner propagiert. Mit Diesel die CO2-Bilanz verbessern – eine Idee, die den Politikern und den Konsumenten gefiel. Dabei wurde das Problem der Stickoxide geflissentlich verdrängt und heruntergespielt, bis hin zu aktiver Vertuschung und Betrug.

Es stimmt zwar, dass der Einfluss der Stickoxide auf das Klima relativ gering ist. Aber gleichwohl verschmutzen sie die Luft und schädigen unsere Atemorgane. Zugespitzt kann man sagen: Man wollte das Klima schonen und nahm dafür Gesundheitsschäden in Kauf. Eine Selbstüberlistung, für die es ein treffendes Sprichwort gibt: „Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben“.

P.S.: Das Traurige an der ganzen Angelegenheit: Mit einem Zusatz aus Wasser und Harnstoff (genannt AdBlue) könnten Dieselmotoren tatsächlich viel sauberer gemacht werden. Die Technologie ist vorhanden, aber sie wird kaum eingesetzt. Denn sie verteuert die Fahrzeuge – und solange die Luft nichts kostet, haben Dreckschleudern im Wettbewerb den längeren Atem.

One thought on “Teufel und Beelzebub

  1. Seit dem berühmten Erdgipfel von 1992 in Rio, bei dem die Nachhaltigkeit zur Weltpolitik erhoben wurde, hat sich alleine in der Schweiz der Motorfahrzeugbestand (ohne Motorräder) von rund 3.6 Mio. auf 5.3 Mio. erhöht. Das entspricht einer Wachstumsrate von über 180 Fahrzeuge pro Tag. Deutlicher gesagt: Seit 25 Jahren stellen wir pro Tag eine Fahrzeugschlange von rund 1 Kilometer auf die Strasse! Und belegen damit 1 ha (100x100m) Raum pro Tag.
    (Quelle: Bundesamt für Statistik – Strassenfahrzeuge Bestand)

    Und die Fahrzeuge werden immer grösser und stärker. Stau wird zur Norm – und wir wundern uns darüber.
    Aber jedes produzierte und verkaufte Fahrzeug erhöht das Bruttosozialprodukt.
    Solange wir wachsen, geht es uns besser, so lautet doch die herrschende Doktrin, oder?

    Da kann man nur feststellen „Wir Schwätzer im Treibhaus!“ (Marcel Hänggi 2008)

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