Menschen und Roboter

Roboter sind faszinierend. Faszination ist allerdings immer eine Gefühlsmischung aus Neugier und Angst.

Einerseits kommen einem Roboter wie Babies vor. Man freut sich über jeden neuen Schritt, den sie lernen. Gerade diese Lernfähigkeit macht sie aber auch zu kleinen Monstern. Was, wenn sie immer besser werden, unsere Fähigkeiten kopieren und am Ende den Menschen überflüssig machen? Bereits wird an Robotern gearbeitet, die menschliche Gesichtszüge tragen und einfache Gespräche führen können. Sie sollen an Hotelreceptionen, Bankschaltern oder gar in der Pflege zum Einsatz kommen.

Kürzlich stellte Kurt Aeschbacher in seiner Sendung den Robotik-Professor Robert Riener vor. Er entwickelt mit seinem Team an der ETH Geräte für die medizinische und therapeutische Anwendung. Ein Querschnittgelähmter demonstrierte, wie er mit seinem Rollstuhl Treppen bewältigt. Eine Frau zeigte, wie sie mit ihrer künstlichen Hand feinmotorische Bewegungen ausführt.

Hier zweifelt wohl niemand am Sinn der Roboter. Denn diese Roboter nehmen niemandem etwas weg, sondern sie geben Menschen Fähigkeiten zurück, die sie verloren oder nie besessen haben.

Die Angst vor der Technik und ihren Folgen ist so alt wie die Technik selber. Hephaistos, der griechische Gott der Schmiedekunst, war ein genialer Erfinder. Aber er war auch berüchtigt für seine bösen Streiche. Seiner eigenen Mutter (der Göttin Hera) baute er einen goldenen Thron, ausgestattet mit unsichtbaren goldenen Fesseln. Die eitle Göttin setzte sich auf den herrschaftlichen Stuhl – und blieb festgebunden, bis ihr Sohn sie befreite.

Technik ist faszinierend. Solange wir sie nüchtern und zweckgerichtet als Werkzeug nutzen, kann sie unsere Fähigkeiten erweitern.

Sie kann uns aber auch blenden, indem sie sich nicht bloss als Werkzeug, sondern als Machtmittel anbietet. Dann wird die Faszination zur Fessel.

Unterscheiden können zwischen Werkzeug und Machtmittel – eine Übung, die zu jeder Gebrauchsanweisung gehören sollte.

One thought on “Menschen und Roboter

  1. Mani Matter hat das wunderschöne Lied gedichtet vom Mann, der eine Uhr erfunden hat, die alle zwei Stunden stehen bleibt. Und der praktische Sinn dieser Uhr liegt, wie uns der Mann stolz erklärt, darin, dass sie ihn, jedes Mal, wenn sie stehen bleibe, daran erinnere, dass er ganz alleine eine Uhr erfunden habe, die alle zwei Stunden stehen bleibt, was ihn darin bestärke, dass er doch ein ganz geschickter Mann sei.

    Die Faszination an der digitalen Technik und Robotik erinnert in vielem an diese Verliebtheit in die eigene Fähigkeit, das Leben zu beherrschen und seine Endlichkeit zu überwinden.

    Gesundheit ist eine Beschaffenheit des Lebens, kein Fabrikat. Sie beschreibt die Vitalität ganzer Lebenssysteme von der einzelnen Zelle bis hin zur Ökologie unserer Biosphäre. Das Leben und sein Wirken ist eine rätselhafte Erscheinung, ein Mysterium.

    Roboter sind in Betrieb, Lebewesen leben. Roboter funktionieren, Lebewesen sind gesund. Roboter werden hergestellt, Lebewesen geboren. Roboter werden geflickt, Lebewesen geheilt. Roboter gehen kaputt und werden entsorgt. Lebewesen sterben und werden Nahrung für weiteres Leben.

    Vor der Technik können wir gefesselt sein, mit dem Leben sind wir verbunden.

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