Marlboro Man 2.0

Raten Sie mal, von wem das folgende Zitat stammt:

„Sie (gemeint ist die Politik) kann Zigaretten unattraktiver machen, alternative Produkte fördern oder beides zugleich tun. Etwa durch unterschiedliche Steuersätze oder dadurch, dass sie Werbung für Zigaretten einschränkt und für sie Alternativen erlaubt.“

Wer spricht sich da so entschieden für staatliche Regelungen aus?
Jemand von der WHO?
Jemand aus einer Gesundheits-NGO?
Ein Politiker / eine Politikerin links von der Mitte?

Alles falsch. Das Zitat stammt von André Calantzopoulos, Vorstandschef des Zigarettenriesen Philip Morris International, sozusagen der oberste Marlboro Man. Mit „Alternativen“ sind sogenannte iQOS gemeint, elektronische Zigaretten, die Tabak in Form von Heat Sticks erhitzen, aber nicht verbrennen. Angeblich sollen sie weniger schädlich sein als herkömmliche Zigaretten.

Wie dem auch sei: erstaunlich, wie man auf einmal Regelungen begrüsst, die man vorher jahrelang bekämpft hat. Prävention nein, Protektionismus ja, wenn es darum geht, ein neues Produkt an den Mann / die Frau zu bringen. Der Marlboro Man hat ein neues Pferd, man bittet den Staat, es zu satteln.

(Zitat aus: „Die Zeit“, 22. Juni 2017, Seite 27)

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