Horrorgestalten

«Oh mein Papa war eine wunderbare Clown …» Lange ist’s her, dass Lys Assia mit diesem Lied europaweit Furore machte. Clowns sind heute nicht mehr wunderbar, sondern sie sind furchtbar. Man möchte keinem Kind einen Clown zum Vater wünschen. Und selbst die Spitalclowns sind angewiesen worden, ihre roten Nasen durch eine diskretere Gesichtsschminke zu ersetzen.

Wie kommt es dazu, dass eine zur Belustigung geschaffene Figur sich in eine Horrorgestalt verwandelt? Wie kann sich ein positives Bild in ein negatives Bild verwandeln?

Auffallend ist, dass nur das standardisierte Clownklischee zur Horrorfigur wurde: Aus einem Chaplin liesse sich kaum ein Schreckensclown machen. Dafür ist er zu differenziert. Auch einen Dimitri kann ich mir schwer als Kinderschreck vorstellen.

Es gibt leider auch im Bereich der Gesundheit Klischeebilder: Der gestählte Body, Fitness vom Scheitel bis zur Sohle, die makellose, garantiert nikotinfreie Zahnreihe – solche Bilder erheben die Gesundheit zu einem hollywoodesken Ideal, das sich leicht ins Schreckensbild einer gesundheitsbesessenen Gesellschaft verkehren kann.

Vielleicht ist Gesundheit die Kunst, sich mit der eigenen Unvollkommenheit anzufreunden. Über sich selber lachen – das kann man auch mit einer wirklich guten Clownnummer lernen.

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