Fehler machen Meister

15. August 2017: Die Berner Young Boys spielen gegen ZSKA Moskau um die Champions-League- Qualifikation. Der junge Verteidiger Kasim Nuhu spielt überragend. Dann in der 93. Minute ein fatales Missgeschick: Mit einer Kopfballrückgabe überrascht er den eigenen Torwart. Eigengoal und ein verlorenes Spiel!

«Damals haben mich alle aufgerichtet», sagt Nuhu rückblickend. «Es gab keinen einzigen Vorwurf deswegen. Das war ein gutes Gefühl.»

Samstag, 28. April 2018: Die Young Boys spielen gegen Luzern, alle erwarten einen Sieg, der Champagner ist bereit für die Siegesfeier. Beim Stand von 1:1 begeht der Stürmer Guillaume Hoarau im eigenen Strafraum ein ungeschicktes Foul. Penalty!

Der Rest ist Geschichte: Hoaraus Fehler wird zum Triumph für den Goalie Marco Wölfli: Dieser wehrt den Penalty auf mirakulöse Weise ab, und kurze Zeit später bereitet Hoarau auf der Gegenseite mit einem Kopfballpass den Siegestreffer vor.

Theo Wehner, emeritierter Professor für Arbeitspsychologie an der ETH Zürich, Schwerpunkt Fehlerforschung, bringt seine Ergebnisse auf die schlichte Formel:

«Fehlerfreundlichkeit gleich Menschenfreundlichkeit».

Eine Erfolgsformel, die, wie wir jetzt wissen, sogar im Spitzensport funktionieren kann.

Als Walliser, der seinen Arbeitsplatz in Sichtweite des Stade de Suisse hat, gratuliere ich den Young Boys ganz herzlich zum Meistertitel und drücke die Daumen für den Cupfinal.

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