Digital in die Kurve

Abschalten! Das will man nach getaner Arbeit. Aber unsere elektronischen Helferlein arbeiten munter weiter, ausser man schaltet sie eigenhändig ab. Nur ist man dann eben offline. Und falls nach Feierabend noch ein dringendes Mail hereinkommt, bleibt es unbeantwortet bis zum nächsten Tag. Was, wenn dadurch ein wichtiger Termin oder gar ein lukratives Geschäft in den Sand gesetzt wird? Da bleibt man lieber online über den Feierabend hinaus – geht dabei allerdings ein gesundheitliches Risiko ein. Denn wer nie ganz abschaltet, findet auch keine vollständige Erholung.

Seit dem 1. Januar2017 ist in Frankreich ein Gesetz in Kraft mit dem schönen Titel «Droit à la déconnexion», also: Recht auf Abschalten. Das Gesetz hat eher symbolische Bedeutung: Sanktionen bei Übertretungen sind nicht vorgesehen. Aber niemand braucht mehr ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn er nach Arbeitsschluss keine Büromails mehr beantwortet.

Nachdem in der angelsächsischen Welt zuerst über die nicht ganz so arbeitsamen Franzosen gespöttelt worden war, hat jetzt ein New Yorker Politiker ein ähnliches Gesetz formuliert, die «Right to Disconnect Bill». Das umtriebige New York könnte die erste amerikanische Stadt sein, in der das Recht auf einen ungestörten Feierabend gesetzlich geregelt wird.

Solche Regelungen wurden allerdings schon vor einigen Jahren formuliert, und zwar ausgerechnet im fleissigen Deutschland. Die Autohersteller VW und Daimler führten in ihren Betrieben einen Mailstopp nach Feierabend ein.

Es ist vielleicht kein Zufall, dass ausgerechnet Autofirmen als erste auf die Idee kamen, den digitalen Fortschritt ein wenig abzubremsen. Denn Autofahrer wissen: Wer zu schnell in die Kurve fährt, kommt ins Schleudern.

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