Die Wurzeln der Intelligenz

Im Buch «Die Intelligenz der Pflanzen» (gemeinsam mit Alessandra Viola) zeigt der Florentiner Botanik-Professor Stefano Mancuso, über welche stupenden Fähigkeiten Pflanzen verfügen: Sie erspüren elektromagnetische Felder, analysieren chemische Stoffe, warnen einander gegenseitig via Duftstoffe vor Fressfeinden oder locken gar Tiere an, die sie von Parasiten befreien. Ihr Wurzelgeflecht bildet ein Netzwerk, durch das Informationen über den Zustand der Umwelt zirkulieren. Darum spricht Mancuso von pflanzlicher «Intelligenz». Das hat ihm prompt den Vorwurf eingetragen, er vermenschliche die Pflanzen, indem er ihnen ein Gehirn andichte.

Er habe nie behauptet, Pflanzen hätten ein Gehirn, sagt Mancuso in einem Interview. Aber es gebe eben verschiedene Formen von Intelligenz. Pflanzen würden unterschätzt.

So liegt also Mancusos Provokation vor allem darin, dass er Intelligenz nicht vom Vorhandensein eines Gehirns abhängig macht. Das mag bei jenen Kopfschütteln auslösen, die das menschliche Gehirn als Kronjuwel der Schöpfung betrachten.

Intelligenz, sagt Mancuso, sei die Fähigkeit, Probleme zu lösen. «Pflanzen bewältigen ihre Probleme überragend gut. Darum sind sie intelligent.»

Es dürfte also klug sein, sich die Intelligenz grösser und weiter zu denken, als es ein menschliches Gehirn vermag. Und vielleicht wären dann einige Probleme, die unser famoses Gehirn in die Welt gesetzt hat, auch besser zu lösen.

  • Vgl. «Zeit Magazin» vom 22. März 2018, S. 22 ff.
  • Stefano Mancuso / Alessandra Viola: Die Intelligenz der Pflanzen (Verlag A. Kunstmann)

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