Die Entweder-oder-Falle

Im Januar 2008 erreichte Erin Callan einen Karrierehöhepunkt: Die Managerin wurde «Chief Financial Officer» bei Lehman Brothers.

Drei Monate später kam der Absturz: Lehman Brothers ging pleite, die eben noch als «wichtigste Frau der Wall Street» gefeierte Erin Callan stürzte mit in die Tiefe. Es folgte eine tiefe psychische Krise.

Zehn Jahre später – inzwischen verheiratet – blickt Erin Callan Montella zurück. In einem Buch mit dem Titel «Full Circle: A Memoir of leaning too far and the journey back» warnt sie davor, das Privatleben der Karriere zu opfern. Die «Reise zurück» heisst in ihrem Fall: Ehe, Kinder, Familienleben.

Der Buchtitel ist eine Anspielung an Sheryl Sandbergs Buch «Lean in: Women, Work and the Will to Lead», in welchem die Facebook-Geschäftsführerin die Frauen auffordert, entschlossener Führungspositionen anzustreben.

Bereits wird Erin Callan Montellas Buch als «Anti Lean-In» bezeichnet.

So funktioniert Marketing: Zwei Bücher, zwei Positionen. Familie oder Karriere.

Erin gegen Sheryl.

Und schon steckt man gedanklich in der Entweder-oder-Falle.

Vergessen geht dabei zu fragen, wie denn die Arbeitswelt beschaffen sein müsste, dass Familienleben und Arbeitsleben miteinander vereinbar sind. Ob es an der Spitze «Officers» braucht, ob überhaupt «Führungsspitzen» nötig sind, und ob es nicht langsam an der Zeit wäre, Führungspositionen breiter zu besetzen.

Alles Dinge, die in kleineren Betrieben längst diskutiert und auch umgesetzt werden.

«Entweder oder» taugt zum Drama. Der Alltag aber findet glücklicherweise ausserhalb dieser Falle statt.

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