Der Trend zum Ramsch

Die 13. «Trendtage Gesundheit», die am 29. und 30. März in Luzern über die Bühne gingen, befassten sich mit dem Thema «Gesundheit 4.0».

Man bekam eine Reihe hochstehender Referate zu Big Data, Robotik und zum «Internet der Dinge» zu hören. Die meisten davon praxisbezogen und sachlich, weder dazu geeignet, übertriebene Zukunftsängste zu schüren noch grosse Euphorie auszulösen.

Am Schluss dann das Dessert: Zwei auf ihre Art unterhaltsame, aber auch ziemlich bizarre Referate, die sich diametral zu widersprechen schienen: Zuerst trat ein sogenannter «Bodyhacker» auf. Er ist «Chief Cyborg Officer» einer Firma, die sich der technischen Verbesserung des Menschen verschrieben hat.  Denn, so liest man auf der Firmenwebsite, «Evolution ist für den exponentiellen Wandel zu langsam». Also muss ihr nachgeholfen werden. Beispielsweise mit Implantaten, die in den Körper eingebaut werden. Da gibt es so schöne Dinge wie Led-Lämpchen, die als elektronische Tattoos unter der Haut leuchten. Oder ein Implantat, das unter der Brust vibriert, wenn man den Körper nach Norden richtet. So verliert man nie die Orientierung. Der Renner ist aber ein Chip, den man sich unter die Fingerkuppe spritzen lassen kann. Wozu das gut ist? Zum Beispiel für das elektronische Türschloss, das man auch gleich bei derselben Fima bestellen kann. Nie mehr den Hausschlüssel suchen! Bald schon wird man einen Chip gegen Vergesslichkeit im Hirn tragen.

Zum Schluss betrat noch ein Gedächtniskünstler die Bühne. Kritisch fragte er im Hinblick auf den Vorredner: «Wollen wir das? Wollen wir nicht lieber selber denken?» Und mit einem Crashkurs demonstrierte er, wie ein paar einfache Tricks dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen.

Bis da war alles ganz eindrücklich. Als er dann auf den Zweck der Übung zu sprechen kam, wurde auch dieser Redner ziemlich banal: So kann man zum Beispiel bei einer Party mit seinem Wissen auftrumpfen. Die letzten Minuten seines Referats nützte er dazu, wie ein billiger Jakob («ein Sonderangebot für alle hier Anwesenden!») seine Kurse, Bücher und DVDs feilzubieten.

Egal, wohin der Trend geht, ob mit oder ohne Chip: Man mag noch so viele Namen, Zahlen und Daten anhäufen und speichern. Gelingt es einem nicht, ihnen Sinn zu verleihen, verwandeln sie sich unverzüglich in Ramsch. Was die beiden Redner eindrücklich vordemonstrierten.

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