Anregende Ruhe

In einem Interview mit dem „Magazin“ des Tages-Anzeigers spricht der Neurobiologe David Eagleman über die zukünftigen Möglichkeiten der Gehirnforschung. Er glaubt, dass es bald dank feiner Sensoren sogar möglich sein werde, neue Sinne zu entwickeln.

Interessant ist aber auch das, was heute schon möglich ist, und zwar ganz ohne technische Hilfsmittel:  In einer Studie mit Tausenden von Nonnen wurde eindrücklich gezeigt, wie wandlungsfähig unser Gehirn selbst noch im Alter ist. Nachdem die kognitiven Fähigkeiten der Nonnen zu Lebzeiten beobachtet worden waren, wurden ihre Gehirne nach dem Tod untersucht. Bei einigen zeigte sich, dass sie an Alzheimer erkrankt waren. Aber die typischen Symptome der Vergesslichkeit hatten sich bei ihnen nie gezeigt. Erklärbar ist das offenbar dadurch, dass die Nonnen immer sehr aktiv waren. Sie sangen im Chor, machten Brettspiele –  und so konnte ihr Hirn die ausgefallenen Funktionen mit neuen Verbindungen kompensieren.  Wahrscheinlich – das wage ich als Laie anzufügen – hatten sie im Kloster wenig oder keinen Stress. Das Hirn mag Anregung. Aber alles mit der Ruhe.

(Vgl. „Das Magazin“ Nr. 17, 29. April 2017)

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